Aktuell

Warum kommt der Umweltschutz als wichtige Voraussetzung für die Zukunft der Fischerei nicht weiter?

Unstrittig - auch bei den Fischern, ist die Wichtigkeit einer gesunden Meeresumwelt als Voraussetzung für die Zukunft im Allgemeinen und einer gewerblichen Fischerei im Besonderen. Allerdings gehen die Meinungen über vorhandene Missstände und deren Verringerung schon innerhalb der Fischerei oft ziemlich weit auseinander. Die Suche nach Kompromissen und deren Umsetzung scheitert meistens an allzu kurzsichtigen Sichtweisen einiger Lobbyisten von beiden Seiten der Diskussion und verhindert damit die dringend notwendige Verbesserung der Lage z.B. bei der Bewirtschaftung von wichtigen Fischbeständen, wie Dorsch und Hering in der Ostsee. Daraus resultierende „Beratungen“ der politischen Entscheidungsprozesse auf allen Ebenen vom Land über den Bund bis zur EU haben bisher eine durchgreifende Verbesserung nicht erreichen können, sondern eher eine Verbesserung der Situation verhindert.

Gleiches gilt in einem weitaus stärkeren Maße für die Akteure aus dem Umwelt- und Naturschutz. Hier verhindern Maximalforderungen für Naturschutzziele von unterschiedlichen mit viel Geld gesponserten NGOs regelmäßig eine dringend nötige Dialogbereitschaft mit dem Ziel tragfähige Kompromisse zu finden, die allen beteiligten Akteuren Luft zum Atmen lassen. Die gerade mit der Landesregierung begonnene Diskussion über die Ziele der neuen Biodiversitäts-Strategie wird zeigen, ob man hier zu Kompromissen bereit ist. Schon das Ungleichgewicht der an der Diskussion von der Regierung beteiligten „Akteure“ von 35 zu 4 aus der Fischerei, lässt die Erwartungen auf eine ausgewogene zielführende Diskussion schwinden.

Theorie aus der Wissenschaft und dem Naturschutz trifft auf Praxis, und man steht sich oft unversöhnlich gegenüber, anstatt sich zu ergänzen. Bei mit einem hohen finanziellen Aufwand erstellten Schutzkonzepten entsteht oft der Eindruck, dass diese „ergebnisorientiert“ entstanden sind nach dem Motto: „Die Tabelle ist für beabsichtigte Vorhaben maßgeschneidert“.

Hier ein Bespiel

Forderung:

Schutz von Schweinswalen in der Ostsee. Maximalforderung von der Naturschutzseite:
„Nullnutzungszonen für die Fischerei mit passiven Fanggeräten“.

Die Parteien stehen sich nun erwartungsgemäß ziemlich unversöhnlich gegenüber.

Dabei zeigt der dank des damals zuständigen praxisorientierten Ministers Dr. Robert Habeck aus Schleswig-Holstein im Jahre 2013 gefundene Lösungsansatz die „Freiwillige Vereinbarung zum Schutz von Schweinswalen und tauchenden Meeresenten“, dass durch einen Kompromiss für alle Seiten mehr zu erreichen ist, als durch ein starres Festhalten an Maximalforderungen, die dann hundertprozentig zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang geführt hätte.

Man kann sich fragen, warum sich nicht andere Ostseeanrainerstaaten diesem Projekt angeschlossen haben. Neben einer Verringerung des Fangaufwandes in der Stellnetzfischerei wurde der Einsatz der elektronischen Warneinrichtung PAL (Porpoise Alert) in der Stellnetzfischerei zur Verminderung von unerwünschten Beifängen von Schweinswalen und tauchenden Meeresenten etabliert. Diese Maßnahme wird von der EU begrüßt und war Gegenstand der Berichterstattung als „Story des Monats EU weit. Der Naturschutz steht sich aber selbst im Weg, weil er gegen die elektronischen Warneinrichtungen PAL mit einer veralteten Technik PINGER argumentiert, die die Tiere aus ihrem Habitat vertrieb, nur um die allseits favorisierten „Null Nutzungszonen“ innerhalb der Natura 2000 Gebiete in der Ostsee durchzusetzen. Als Ergebnis sehen - wir es passiert zunächst einmal jahrelang nichts, zum Nachteil des Walschutzes - und mit einem ungewissen Ausgang bei der Umsetzung der Maximalforderungen in der Zukunft.

Interessanterweise konnten Fragen aus der Fischerei nach einer Kosten-/Nutzen Analyse und Erfolgen in bereits bestehenden Null- Nutzungszonen in welche Richtung auch immer, von der Landesregierung bis heute nicht beantwortet werden. Anscheinend hat sich niemand mit einer Erfolgskontrolle für diese Gebiete befasst. Vor diesem Hintergrund neue Null-Nutzungszonen von 10 % Fläche der Natura 2000 Gebiete zu fordern erscheint aus Sicht der Fischerei voreilig und unangebracht. Es verwundert daher nicht, wenn solche Vorhaben auf wenig Zustimmung stoßen.

Wir fordern daher die Durchsetzung von Naturschutzzielen mit den für alle betroffenen Bürger mildesten Eingriffen vorzusehen. Nur dann wird sich eine breite Akzeptanz für eine Umsetzung bilden, als Voraussetzung für rasche Ergebnisse, die alle Seiten wünschen und akzeptieren können.


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