Aktuell

EU Bürokratie schlägt Aalfangverbot in der Ostsee vor

Der Kommentar zum vorgeschlagenen Aalfangverbot in der Ostsee
(Wolfgang Albrecht, erster Vorsitzender)


Allgemeine Zusammenfassung

Unbestritten ist der schlechte Zustand der Aalpopulation im Allgemeinen in allen europäischen Gewässern.

Genauso unbestritten ist die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Wiederaufbau. Schon seit 2007 gibt es deshalb in Deutschland einen von der EU Kommission genehmigten Managementplan zum Wiederaufbau des Aalbestandes, (VO (EU) Nr. 1100/2007 v. 18.9.2007).

Wenig hilfreich sind allerdings „ad hoc“ Aktionen, wie jetzt vorgeschlagen, ohne die nötige sorgfältige Analyse der herrschenden Situation unter der Einbeziehung aller beeinflussenden Parameter und der betroffenen Praktiker in den Entscheidungsprozess. Die schnelle Pressemitteilung des Ministers mit einer vorweggenommenen positiven Wertung der vorgeschlagenen Maßnahmen betrachten wir als einen voreiligen Schritt in die falsche Richtung und für den weiteren Verlauf daher wenig hilfreich.


Im Einzelnen

Belastbare Fakten fehlen.

Bei der weiteren Situationsanalyse kommt man allerdings schnell in einen Bereich der Annahmen und Hochrechnungen ohne wirkliche belastbare Fakten. Einzig und allein der Rückgang der Zuwanderung von Jungaalen bis heute, ist aufgrund von Fakten (Fangrückgängen) nachweisbar.

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Schon bei der Rückwanderung der Blankaale befinden wir uns wieder im Bereich der fehlenden Erkenntnisse und belastbaren Daten. ICES Untersuchung vom August 2017, 3 sagt aus: „dass die Fänge im Meer quantifizierbar sind, diese aber keine Rückschlüsse auf die Bestandsentwicklung zulassen“. So ist auch das Ziel der Rückwanderung von 40 % Blankaal, der „gemäß der bestmöglichen Schätzung ohne Beeinflussung des Bestandes durch anthropogene Einflüsse ins Meer abgewandert wäre“, rein theoretischer Natur. Gleiches gilt für die mögliche Nichterfüllung dieser Vorgabe als Argument für schärfere Maßnahmen. Die jetzt angeschobene Diskussion und die daraus entstandenen Vorschläge der EU Kommission entbehren daher jeglicher belastbarer Datengrundlage.

Die Ostsee als Handlungsschwerpunkt hält keiner seriösen Analyse stand.

Von Vertretern der Kommission hört man anlässlich des BALTFISH FORUMS am 31.8.2017 in KOPENHAGEN als Begründung für den vorgeschlagenen Aalfangstopp: „Der höchste Aalfang von 709 To. Aal stammt aus der Ostsee“. Dies liegt eindeutig an den geographischen Gegebenheiten des Ostseeausganges (Trichterwirkung in den dänischen Gewässern) . Bei näherem Hinsehen ein sehr vordergründiges Argument - bei ausschließlicher Betrachtung des Gewichtes. Näher an der Realität wäre auf die Stückzahl abzuheben. Hier zeigt sich ein deutlicher Überhang.


Handlungsschwerpunkte erkennen

Der Handlungsscherpunkt liegt bei den Glasaalfängen Frankreich, Spanien, Portugal, Holland und England. (Siehe hierzu auch Green Peace Magazin: „schmutzige Geschäfte mit den Baby Aalen“).

Den Quoten für den Glasaalfang in Frankreich von 50 To und für Spanien von 30 to. sind die Schwarzanlandungen von mindestens noch einmal 30 To.hinzuzurechnen. Dieser Nachwuchs, abzüglich der angekauften Teile zum Besatz, geht der natürlichen Wiederauffüllung des Bestandes verloren.

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Wie aus vorstehender Übersicht leicht erkennbar ist, geht zu viel Glasaal in die Aalfarmen. Der Besatz zeigt hingegen, insgesamt betrachtet, eine abnehmende Tendenz. Die Glasaalfänge für den menschlichen Verzehr in den Südländern, die man dort in jedem besseren Supermarkt findet,

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sowie die Schwarzexporte nach Asien, gehen zusätzlich der Rekrutierung verloren.

Dagegen ist der Fang in der Ostsee von 709 to, entsprechend 600 kg Glasaaläquivalent als Belastungsmoment für den Aalbestand, ziemlich nah an der Nachweisgrenze angesiedelt. Aus diesem Grunde sind so einschneidende Maßnahmen, wie vorgeschlagen und vorschnell für gut befunden, weder zielführend für den wichtigen Bestandsaufbau, noch hinreichend anhand von belastbaren Fakten begründbar.


Deutschland hat einen Teil seiner Hausaufgaben gemacht.

In Deutschland hat man sich dem genehmigten Managementplan gem. VO (EU) Nr. 1100/2007) entsprechend dazu entschlossen, den Fokus auf Besatzmaßnahmen zu legen, die einerseits dem Bestandsaufbau dienen und andererseits die Fischereibetriebe am Leben erhalten. Nicht zuletzt deshalb hat die gewerbliche sowie die Freizeit Fischerei in einem nicht unwesentlichen Anteil von € 60.000,- aus privaten Mitteln mit finanziert. Weitere öffentliche Mittel ergänzen diesen Betrag auf durchschnittlich € 200.000,- jährlich. Allerdings beteiligen sich nicht alle Mitgliedsstaaten der EU am Aalbestandsaufbau. Schon deshalb ist ein für alle gleiches Fangverbot ungerecht und außerdem auch nicht zielführend. Hier ist das EU Recht in allen Mitgliedsstaaten anzuwenden und durchzusetzen.

Zum vollständigen Bild fehlt allerdings noch die Durchsetzung/ Umsetzung der Vorgaben gem. Art 1 (10) der o.a. Verordnung, betreffend der:

  • Durchgängigkeit der Fließgewässer
  • Beseitigung der Penetration durch Pumpspeicherwerke, Kühlwasserentnahmen
  • Aalverluste durch Kormorane
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Was wir aber sicher wissen ist folgendes:

  • Ein weiterer Einkommensverlust für die ortsgebundene Kleinfischerei mit passiven Fanggeräten ist sicher, wenn der Vorschlag für das Aalfangverbot umgesetzt wird.
  • Der Verlust von touristisch bedeutender Attraktivität in den kleinen Häfen Schleswig -Holsteins durch den weiteren Rückgang der Fischreibetriebe.
  • Kein deutscher Räucheraal an der Küste. Auch das ist eine Touristenattraktion.
  • Sofortiger Wegfall von Aalbesatz aus privat finanzierten Mitteln.

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Und ein Rückgang der Attraktivität unseres Landes für den Angeltourismus - denn das vorgesehene Zurücksetzen von an der Angel gefangenen Aalen, wird wohl in den meisten Fällen mit dem Tod dieser enden.


Verbesserungsvorschläge

Maßnahmen am richtigen Ende.

  • Das Aalproblem ist ein europäisches Problem, welches sich nur auf europäischer Ebene durch eine Paketlösung verringern lässt.
  • Die magere Datenlage zum Lebenszyklus des Aals ist durch Intensivierung der Forschung zu verbessern.
  • Glasaalfänge sind nur für den Besatz zuzulassen. An erster Stelle sehen wir den Besatz in den natürlichen Lebensraum des europäischen Aals. Erst an zweiter Stelle sehen wir die Aalmast.
  • Keine Satzaalexporte außerhalb Europas.
  • Die Kontrollen der Glasaalfischerei sind erheblich zu intensivieren. (Durchgängiger Herkunftsnachweis)
  • Die Durchgängigkeit der Fließgewässer ist wesentlich und effektiv zu verbessern.
  • Pumpspeicherwerke, Kühlwasserentnahmen sind mit nachgewiesen wirksamen Schutzvorrichtungen zu versehen.
  • Neue Anlagen sind nur mit diesen Auflagen zu genehmigen.

Und die Kormoranbestände sind europaweit zu managen mit dem Ziel einer spürbaren Reduzierung.

Die Mitglieder des Fischereischutzverbandes bieten ihre tätige Mitarbeit zur Unterstützung von Forschungsvorhaben zur Erhaltung und zum Wiederaufbau des Aalbestandes an.


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