Aktuell

Zukunft der gemeinsamen Fischereipolitik

Brüssel

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Unter diesem Motto stellten die norddeutschen Küstenländer ihre Thesen im Hanse Office in Brüssel vor.

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Die Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein Dr. Juliane Rumpf hatte die Initiative ergriffen und zu dieser Veranstaltung eingeladen. Gemeinsam mit den Küstenländern Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden die nächsten Ziele vorgestellt.
Das Bemühen aller Beteiligten aus Politik und Verwaltung zur Verbesserung der Lage verdient Dank und Anerkennung.

Der Weg dorthin ist weiterhin umstritten
Eine lebhafte Diskussion mit den Betroffenen zeigte, dass diese Ziele und vor allem der Weg ihrer Durchführung nicht immer die Zustimmung der Betroffenen fanden. Offenbar sind die Entscheidungsträger einseitig informiert.

Viel zu hoher bürokratischer Aufwand
Vor allem der hohe bürokratische Aufwand, die teilweise in keinem Verhältnis zu den Kosten stehenden Kontrollmaßnahmen und die nach wie vor fehlende Differenzierung von Restriktionen zum Bestandschutz stießen auf lebhafte Kritik.

Keine zweigleisige Fischereipolitik
Dies gilt insbesondere für die Thesen des Bundesministeriums keine zweigleisige Fischereipolitik betreiben zu wollen.

Die ortsgebundene Kleinfischerei braucht besonderen Schutz, weil

  • Sie nicht in andere Fanggründe ausweichen kann
  • Sie den Niedergang der Fischbestände nicht verursacht hat

und ihr aufgrund ihrer starken touristischen Wirkung in den Küstenländern eine besondere Bedeutung zukommt.

Diese von fast allen Rednern anerkannte Notwendigkeit, die ortsgebundene Kleinfischerei unter besonderen Schutz zu stellen steht in einem krassen Widerspruch zu dieser These.

Bisherige Fischereipolitik gescheitert
Nach unserer Meinung ist diese bisher fehlende Differenzierung und die nicht vorhandene Anwendung des Verursacherprinzips bei Fangbeschränkungen, gepaart mit einer zu geringen Selektivität in der aktiven Fischerei, der eigentliche Grund für das von mittlerweile allen Beteiligten anerkannte Scheitern der gemeinsamen europäischen Fischereipolitik.

Die dringend notwendige Fehleranalyse steht nach wie vor aus. Landes-, Bundes-, und EU-Entscheider sind einseitig informiert.

Man verwaltet die Beifänge mit einem hohen Kontrollaufwand. Das ist falsch!! Richtig wäre dafür zu sorgen, dass erst gar keine Beifänge entstehen können.

Zertifizierung der Nachhaltigkeit von Fischereien, eine Abwälzung von staatlichen Aufgaben zu Lasten der Fischerei
Die Zertifizierung von Fischereien bezüglich ihrer Nachhaltigkeit durch MLC, FOS, oder „fair Fish” wird mittlerweile von vielen Großvermarktern und Handelsketten als Voraussetzung für eine Vermarktung gefordert. Hierdurch wird eine Menge Geld zu Lasten der Betriebe in Bewegung gesetzt für Aufgaben die eigentlich dem Staat zukommen.

Neue Kontrollverordnung, ein bürokratisches Monster
Die neue Kontrollverordnung, ein bürokratisches Monster, wird die Probleme nicht lösen können führt aber auch nach Meinung des Bundesmarktverbandes dazu, dass viele Vermarkter auf Pangasius und andere Zuchtfische ausweichen werden anstatt Dorsch zu vermarkten, um dem hohen bürokratischen Aufwand z. B. der Nachverfolgbarkeit zu entgehen.
Originaltext Bundesmarktverband: „Die Schmerzgrenze ist überschritten.”

Auch die Beifangproblematik ist damit natürlich nicht zu lösen.

Anlandegebot, ein Schritt in die richtige Richtung
Allgemeiner Konsens herrscht darüber, dass die Rückwürfe in der aktiven Fischerei nicht mehr hinnehmbar sind. Ein Anlandegebot aller gefangenen Fische unter Anrechnung auf die Quote könnte helfen. Der damit verbunden hohe Kontrollaufwand trübt aber nach unserer Meinung den erzielbaren Erfolg erheblich.

Die Lobbyisten der aktiven Fischerei sollten sich fragen ob es nicht besser wäre selektive Netze einzuführen als es auf eine Videoüberwachung auf jedem Kutter zur Beobachtung ankommen zu lassen.

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