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Eine Betrachtung zum Zeitungsbericht der Heiligenhafener Post vom 15.10.2010
„Erst Einschnitte - dann Erfolg“. Experten aus Kiel und den USA haben einen Managementplan für die Fischerei entwickelt.

Aufgestellte Thesen:

  • Konsequente Einschnitte beim Fischfang = größere Fangmengen und höhere Gewinne
  • In wenigen Jahren eine viermal so hohe Biomasse und um 60% höhere Fänge
  • Je radikaler die Fänge kurzfristig eingeschränkt werden, desto schneller erholen sich die Bestände
  • Der Dorschbestand in der Region hat bereits deutlich zugenommen, nachdem Polen die Fänge deutlich reduziert hat
  • Die EU Maßnahmen greifen zu kurz

Fangbegrenzungen in der westlichen Ostsee als Allheilmittel

Würden statt 20000 to nur 9000 to Dorsch gefangen, nähme der Bestand von 24600to in 2011 auf 38200to in 2012 zu. Ohne Fischerei ginge es auf 45100to hoch.
Ein völlig erholter Bestand würde nachhaltige Fänge von 75000to jährlich zulassen.

Die Realität sieht wohl doch etwas anders aus

Unbestritten ist, dass ein Rückgang der fischereilichen Sterblichkeit die Reproduktionsfähigkeit eines Bestandes erhöht. Aber eben nicht linear und jedes Jahr gleich, weil auch noch andere Faktoren wie Sauerstoffgehalt, Temperatur und Salzwassereinstrom/Salzgehalt den Laicherfolg beim Dorsch beeinflussen.
Unbeantwortet bleibt zudem die Frage, wie die Einschnitte realisiert werden sollen.
Durch die Erhöhung der Maschenweite auf mindestens 130 mm in der aktiven Fischerei könnten die immer noch zu hohen Beifänge in der Tat stark reduziert werden. Es könnte ein Schoneffekt realisiert werden, ohne die gesamte Fischerei platt zu machen.
Die Zunahme des Bestandes in der Region ist weder entscheidend auf die Fangreduzierung noch auf die seit 2010 vorgenommene Erhöhung der Maschenweite in der aktiven Fischerei von 110mm auf 120mm zurückzuführen, auch wenn dies gut zum Wunschdenken einiger „Experten“ und Lobbyisten passt. Das liegt vielmehr an einem starken Dorschjahrgang 2007. Da haben diese angeführten Maßnahmen noch gar nicht existiert bzw. konnten noch gar nicht greifen.
Auch die Erholung des Bestandes in der östlichen Ostsee, der bekanntermaßen nach Meinung der gleichen „Experten“ schon kurz vor dem Aussterben stand, konnte bisher von keinem Wissenschaftler erklärt werden.
Auf einem noch ganz anderen Blatt steht die Frage, wie die prognostizierten jährlichen Fangmengen von 75000 to, falls sie den eintreten, zu einem ökonomisch sinnvollen Preis abzusetzen sein würden. Der Markt nimmt zurzeit nicht einmal die jetzt erzielbaren sehr viel geringeren Fänge zu auskömmlichen Preisen auf.
Das völlige Fehlen der Differenzierung der Fangmethoden hinsichtlich ihrer Selektivität und der damit verbundenen Wirkung auf die Bestände sollte bei so hoch qualifizierten „Experten“ in einer solchen Betrachtung nicht gänzlich fehlen.
Fischereimanagement ist keine schwarz/weiß Malerei sondern ein vielschichtiges Geschäft, welches auch praktische Kenntnisse einbeziehen sollte, um nicht wie bisher durch die einseitige Sichtweise von „Experten“ und Bürokraten, die nur in der Theorie zu Hause sind, auf der ganzen Linie zu scheitern.

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