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Lebensmittelcheck mit Tim Melzer

Gut gedacht, aufgrund der Vermischung vieler Fakten und der Endaussage eher fragwürdig.

Der Beginn der Sendung lies hoffen:
Fisch vom Kutter.
Gefangen mit passiven Fanggeräten, praktisch ohne Beifänge, täglich frisch angelandet und selbstvermarktet.

Darin sieht auch der Fischereischutzverband eine überlebensfähige Zukunft der Fischerei in Nord und Ostsee. Leider, wie auch richtig bemerkt wurde, kann der Verbraucher aus München nicht dort einkaufen. Durch eine gezielte Unterstützung dieser Fischerei (wie in Art. 17 der EU Reform zur gemeinsamen Fischereipolitik vorgesehen, aber leider nicht umgesetzt) könnte allerdings dazu führen, dass größere Verbraucherkreise in den Genuss dieser hochwertigen und nachhaltig gefangenen Lebensmittel kommen können.

Leider kam dann Nebel auf.

Schon die Beurteilung der industriellen Fangmethoden wurde durch die Vermischung verschiedenartiger Probleme in der EU und vor Westafrika, unscharf. Verbraucherempfehlungen für die Zielsetzung der Sendung kontraproduktiv.

Fischratgeber als Allheilmittel.

Schon bei der Beurteilung der Bestände und den daraus resultierenden Kaufempfehlungen herrschen zwischen WWF und Green Peace Unstimmigkeiten. Lediglich in der Empfehlung zum Kauf von MSC zertifizierter Ware ist man sich einig. Ein Öko-Siegel für Fangmethoden der aktiven Fischerei mit Schleppnetzen, die in den Ausmaßen, in denen sie betrieben wird, imstande ist, ganze Lebensgemeinschaften mit einem Zug an Bord zu hieven,

sieht der Fischereischutzverband sehr kritisch und nicht als geeignet zur Förderung der Schutzziele. Andererseits werden durch die Kaufempfehlung zertifizierter Fänge die Familienbetriebe der örtlichen passiven Kleinfischerei benachteiligt, weil diese sich die Kosten für eine Zertifizierung von ca. € 10. 000 finanziell gar nicht leisten können. Hinzu kommen noch die jährlichen Lizenzgebühren. Beim kritischen Verbraucher entsteht der falsche Eindruck, dass diese Fänge, obwohl zu fast 100 % selektiv gefangen, nicht nachhaltig sind. Hierdurch wird die gute Absicht, die kleinskalige örtliche passive Fischerei fördern zu wollen, auf den Kopf gestellt.

Zum Schutz der Bestände Fischverzehr verringern.

Auch diese Empfehlung geht, so undifferenziert ausgesprochen, in die falsche Richtung. Schon jetzt gibt es Absatzprobleme z.B. in der Dorschfischerei, die mit einem erheblichen Preisverfall verbunden sind. Zum anderen sind nicht die verzehrten Fische das Problem, sondern die nicht registrierten Beifänge in der Schleppnetzfischerei, die überwiegend tot wieder über Bord gehen. Da diese mengenmäßig immer noch in einem Bereich zw. 30 und 40 % liegen, sollte hier zunächst der Schwerpunkt des Handlungsbedarfes liegen. Beifänge sind durch technische Maßnahmen so zu reduzieren, dass sie vernachlässigbar werden. (unter 3%)Der Fang sollte sich immer am Verbraucherwunsch und den damit verbundenen Absatzmöglichkeiten ausrichten. Klasse geht dabei vor Masse. Das jetzt geplante Rückwurfverbot erscheint uns dazu eher ungeeignet und wird außer einem riesigen Kontroll- und Verwaltungsaufwand nichts Wesentliches für die Bestandserhaltung bringen.

Unsere Kaufempfehlung ist kurz und einfach:
Kaufen Sie, wenn immer möglich Fisch, der vor Ort gefangen wurde, direkt beim Erzeuger.

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