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Fischereigespräch am 27.3.2015 mit Kommissar Vella und Dir. Evans in Kiel

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Vorbemerkung
Aufgrund der sehr kurz bemessenen Zeit von lediglich anderthalb Stunden und der Tatsache, dass keine Simultanübersetzung vorhanden war, konnten naturgemäß nicht einmal die wichtigsten Themen richtig ausdiskutiert werden. Hierzu wäre mindestens die doppelte Gesprächszeit nötig gewesen.

Trotzdem ist die Möglichkeit eines Gespräches positiv zu bewerten.

Teilnehmer Landesregierung:

  • Minister Dr. Robert Habeck
  • Fischereireferent Martin Momme

Teilnehmer Wirtschaft:

  • Deutscher Fischereiverband
  • Kutterfisch
  • Bundesmarktverband
  • Fischereischutzverband

Teilnehmer NGO`s:

  • NABU
  • GREEN PAECE
  • WWF
  • BUND
  • Ostsee Info Center

Minister Dr. Habeck stellte die freiwillige Vereinbarung zum Schutz von tauchenden Meeresenten und Schweinswalen als gangbaren Kompromiss zwischen Naturschutz und Fischerei dar. Kommissar Vella sah dies als eine gute Chance um den Umgangston zwischen Schützern und Nutzern zu verbessern. Nur gemeinsame Lösungsansätze finden die Unterstützung aus Brüssel.

Der deutsche Fischereiverband nannte eine Mitgliederzahl von 1,2 Millionen! Dass das hauptsächlich Angler sein müssen, wurde nicht erwähnt. Der Kommissar war von dieser Zahl sichtlich beeindruckt. Die Fischerei in der Ostsee wurde als

  • Nachhaltig
  • Sozial gerecht

und umweltverträglich dargestellt, was natürlich nach meiner Einschätzung nicht den Tatsachen entspricht. „Die Ostsee funktioniert“ war die Kernaussage.


Kommissar Vella wünscht sich Vorschläge zum Ostseemanagement!

Greenpeace spricht den Art. 17 und dessen geforderte und noch immer ausstehende Umsetzung an, wonach die Kleinfischerei aufgrund ihres geringen Einflusses auf die Meeresumwelt und die Fischbestände, besonders gefördert werden soll . Frau Evans sieht die Umsetzung im Wesentliche als gegeben an, weil diese Fahrzeuggruppe angeblich finanziell besonders gefördert wird. Von Quoten und Fangrechten spricht sie nicht.

Die Förderung von technischen Maßnahmen zur Verbesserung der Selektivität in der Schleppnetzfischerei in Form von neuen Netzen mit größerer Maschenweite wird angeboten. Die Annahme durch die Fischerei wird sich allerdings in engen Grenzen halten, weil durch die Herabsetzung des Mindestmaßes für Dorsch in der Ostsee der Anreiz andere Netze mit größeren Maschen einzusetzen, praktisch wegefallen ist. Dieser Zusammenhang wird vom Kommissar Vela übersehen.

Der erste Vorsitzende des Fischereischutzverbandes spricht die eher mäßigen Erfolge bei der Reform der europäischen Fischereipolitik an und weißt in diesem Zusammenhang auf die mangelnde Differenzierung bei den Maßnahmen hin. Die Flotte übt aufgrund der Fahrzeuggrößen und der eingesetzten Fanggeräte einen sehr unterschiedlichen Einfluss auf die Meeresumwelt und die Fischbestände aus. Bei für Alle gleichen Maßnahmen und Restriktionen hat dies zu der bekannten Schieflage in der Fischerei geführt, die vor dem Hintergrund des Art. 17 dringend beseitigt werden muss. Anhand der 5 Tage Regelung während der Dorschschonzeit im April für die Stellnetzfischerei in der Ostsee erläutert er dies beispielhaft. Die Zusammenfassung von den 5 zugestandenen Fangtagen in je 2 ergibt maximal 3 Fangfahrten. Die weitere Einschränkung von montags 6 Uhr bis freitags 18 Uhr behindert zusätzlich die Selbstvermarktung an den Wochenenden, mit dem höchsten Kundenaufkommen. Die Antwort von Kommissar Vella:„mit solchen Kleinigkeiten können wir uns nicht befassen“ ist sehr enttäuschend und spiegelt den Stellenwert der Stellnetzfischerei in Brüssel in überdeutlicher Weise wider. Die Kommentierung des Vortrages der Nichteinhaltung der Verordnung EG 2184,(8), Anl. 4 und der dadurch entstandenen Vernichtung von ca. 13.000 to. untermaßigen Dorsch durch Rückwurf in den Jahren 2006 bis 2014 wurde nicht zur Kenntnis genommen und auch nicht kommentiert.

Fazit:
Es stellt sich eine erschreckende Realitätsferne bei Kommissar Vella und Dir. Evans heraus, die sich sicherlich auf die gesamte Arbeitsebene auswirkt. Sie denken in großen Dimensionen. Der Blick für das ganze Bild wird durch die Lobbyarbeit der Vertreter der aktiven Fischerei mit Schleppnetzen verstellt. Die Kleinfischerei hat keinen erwähnenswerten Stellenwert.

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