Aktuell

Vor der Landtagswahl.

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Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir möchten die Vorwahlzeit nutzen und mit Ihnen ins Gespräch kommen. Viele ungelöste Probleme der Vergangenheit vereinen sich mit der aktuellen „Dorschkrise“ zu einem bedrohlichen Scenario, welches viele Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Das immer wieder abgegebene Versprechen „ der Fischerei helfen zu wollen“ hat sich bis heute nicht so wirklich in seiner Wirkung dargestellt und reicht deshalb aus unserer Sicht für den Wähler nicht aus, um sich ein klares Bild zu machen. Wie die eine oder andere Partei mit den reichlich vorhandenen Problemen der Fischerei umgehen will und wie man sich Lösungsmöglichkeiten vorstellt, ist aus unserer Sicht ein entscheidendes Kriterium für die Wahlentscheidung. Hierbei interessiert uns naturgemäß besonders, wie sie sich die Zukunft der stillen Fischerei mit Netzen, Reusen und Langleinen im Spannungsfeld

  • Gerechtere Quotenaufteilung durch die Anwendung des Art. 17 der Grundverordnung.( bevorzugte Berücksichtigung von Fangmethoden mit geringen Auswirkungen auf die Meeresumwelt) bei der Quotenverteilung
  • Fangrestriktionen nach dem Verursacherprinzip
  • Schutz und Wiederaufbau, vor allem des Dorschbestandes in der westlichen Ostsee
  • Seevogelschutz,
  • Schutz der Meeressäuger

und bei der Umsetzung der Vorgaben für die FFH und Vogelschutzgebiete in nationales Recht vorstellen.

Zur Präzisierung erlauben wir uns nachfolgend einige elementare Fragen aufzuwerfen, in der Hoffnung, auf möglichst klare Antworten. Gerne würden wir unseren Mitgliedern daraus folgend eine Empfehlung für eine Wahlentscheidung herausarbeiten, die natürlich letztendlich für jeden Bürger frei bleibt.


Problemfelder FFH und Vogelschutzgebiete

Wie man auf einen Blick erkennen kann liegen gut 70% der Fanggründer der passiven Fischerei mit Stellnetzen, Langleinen und Reusen in FFH oder Vogelschutzgebieten. Die versprochene Beteiligung am Umsetzungsverfahren der festgelegten Schutzziele in nationales Rech ist im vergangenen Jahr angelaufen. Der versprochene Status Quo zwischen Stellnetzfischerei und Vogelschutz wird allerdings in Frage gestellt. Man hält sich Optionen zur Einschränkung der Fischerei bewusst offen. Trotz freiwilliger Vereinbarungen zum Schutz von Meeressäugern und tauchenden Meeresenten macht der Naturschutz, vor allem der selbsternannte, weiter auf breiter Front mobil. Scheinneutrale Studien werden gern als wissenschaftliche Grundlagen für Restriktionen verkauft. Hochgerechnete Beifänge bei Seevögeln und Meeressäugern sollen dringenden Handlungsbedarf suggerieren.

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Fragen

  • Wie wollen Sie mit diesem Problemfeld umgehen?
  • Welchen Stellenwert haben scheinneutrale Studien, wie „ Bellebaum“ für Ihre Meinungsbildung?
  • Wie beurteilen Sie den Einsatz der Elektronik (PAL) zur weiteren Verminderung der Beifänge von Schweinswalen in den Natura 2000 Gebieten (eine erprobte Technik, die die Tiere nicht vertreibt, sondern nur deren Aufmerksamkeit erhöht und damit ein Verwickeln in Stellnetzen verhindert, steht bereit. Momentan fehlt es nur an Geld um den Einsatz zu realisieren)?
  • Wollen sie der Fischerei bei der Finanzierung der Geräte helfen?
  • Wie stehen sie dem Ansinnen der „Grünen“ im Bund gegenüber, die Stellnetzfischerei komplett aus den Natura 2000 Gebieten zu verbannen? (Drucksache 18/4814 v. 6.5. 2015)
  • welche Zukunftsperspektive sehen Sie für die stille Fischerei?

Aalbesatz

Über die aus der Fischereiabgabe im Rahmen der des Fischartenhilfsprogrammes bereitgestellten Mittel hinaus, führt der Verband weitere eigenfinanzierte Besatzmaßnahmen durch.

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Fragen

  • In welcher Weise können Sie sich eine Unterstützung dieser Initiative vorstellen?
  • Stehen weitere Restriktionen für die Aalfischerei bevor?

Kormoran

Die über die jetzigen Möglichkeiten hinausgehende Rückführung des Kormoranbestandes ist dringend erforderlich, weil der Naturschutz nicht an der Wasseroberfläche aufhören darf. Hieran ändert auch die Neufassung der Kormoranverordnung -weil unzureichend- nichts. Auch die Seefischerei leidet unter dem viel zu hohen Kormoranbestand, der einige Fischarten wie z. B. die Aalmutter schon bis an die Belastungsgrenze geführt hat.

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Auch im Dorschbestand wütet der schwarze Räuber! Durch Verbissschäden sind viele Fische nicht marktfähig.

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Eine EU weite Regelung ist überfällig, weil die Vögel an keiner Grenze halt machen.

Fragen

  • Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Kormoranbestand zeit und praxisnah auf ein verträgliches Maß zurückzuführen?
  • In welcher Weise wollen Sie eine EU weite Regelung erreichen?
  • Was kann das Land über die jetzige Regelung hinaus tun?
  • Wie wollen Sie Einfluss auf eine entsprechende Bundespolitik nehmen.

Beteiligung der Akteure

Für eine ausgewogene Fischereipolitik ist aus unserer Sicht die Beteiligung der Akteure, sprich der entsprechenden Verbände unabdingbar. Dies kann nur erreicht werden, wenn man alle Verbände an Entscheidungsprozessen rechtzeitig und umfassend beteiligt. In dem vorhandenen Fachwissen liegt ein bisher zu wenig genutztes Potenzial zur Erarbeitung von ausgewogenen Zukunftsperspektiven. Leider gibt es hier immer noch erhebliche Lücken. Ausgrenzung löst auf jeden Fall keine Probleme!

Fragen

  • Wie wollen Sie die in der Vergangenheit unzureichende Beteiligung des Fischereischutzverbandes an Entscheidungsprozessen weiter verbessern?
  • Wie kann dafür Sorge getragen werden, dass Gespräche rechtzeitig im Vorhinein stattfinden, Anregungen und Vorschläge aus der stillen Fischerei Anwendung finden, damit es nicht zu Notgesprächen und Krisenplänen kommen muss, um von der Politik/Verwaltung selbst verursachte Fehler einzudämmen?

Ökonomie

Unserer Meinung nach sind auf die Dauer nur Betriebe überlebensfähig, wenn sie weitestgehend ohne finanzielle staatliche Unterstützung auskommen. Andernfalls werden nur Überkapazitäten künstlich am Leben erhalten. Von Fall zu Fall ist ein Ausweichen in den Nebenerwerb nötig, wenn das Betriebsergebnis Vollerwerb nicht mehr zulässt. Wir sind eigentlich stolz darauf durch rechtzeitige Betriebsanpassungen und Umstellung auf die Eigenvermarktung einen Weg gefunden zu haben, subventionsfrei zu arbeiten.

Den Nebenerwerb in der Fischerei kritisch zu sehen ist schon deshalb ein Verhalten aus der Mottenkiste der Geschichte, weil heute kaum noch jemand von einem Einkommen seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Die allgemeine unbefriedigende Lage der Betriebe wird ergänzend zu den vorstehend beschriebenen Problemfeldern durch zunehmende bürokratische Belastung weiter verstärkt. Wir werden von morgens bis abends durch teilweise unsinnige bürokratische Regularien bedrängt. Zu viel Zeit muss dafür aufgewendet werden, die für die Erledigung der eigentlichen Arbeit im Betrieb fehlt.

Seefischereigesetz, Landesfischereigesetz ,Küstenfischereiordnung, HCCP Richtlinien, Hygieneverordnung, EU Kontrollverordnung füllen ganze Ordner, haben aber die Lage in keinem Problemfeld messbar verbessert. Aufgrund der in den meisten Vorschriften fehlenden Differenzierung hinsichtlich der Fangintensität erreicht man dadurch außer einer unnötigen Belastung des Betriebes in der Sache nichts. Wir haben mit Behörden zu tun, die einzeln zu nennen eine ganze Seite füllen würde. Beispielsweise WSA, BLE, BG - Verkehr, Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Zoll, Fischereiamt, Wasserschutzpolizei usw. Naturschutzgesetze, staatliche Naturschutzbehörden und vor allem selbst ernannte Naturschutzaktivisten runden das Bild in negativer Hinsicht ab. Dies alles ist neben der eigentlichen Arbeit als Erwerbsfischer zusätzlich kaum noch zu bewältigen.


Andererseits erfüllen wir jedoch für den Tourismus in Schleswig-Holstein eine nicht zu unterschätzende wichtige Rolle. Wir sind die Identitätsträger für unser Land zwischen den Meeren, denn unsere Gäste erwarten Häfen mit aktiver Kleinfischerei, der Attraktion für unsere Gäste aus dem Binnenland.


Finanzielle Hilfen für die Ostseefischerei

Jeder Landwirt wird von oben bis unten mit Subventionen gefüttert. Ob das auf lange Sicht sinnvoll ist, dazu gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. In der Binnenfischerei sind ÖKO-Ausgleichszahlungen pro Hektar Seefläche im Gespräch.

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Frage

  • In welcher Weise können Sie es sich vorstellen auch die stille Fischerei finanziell zu entlasten, als Ausgleich für die überbordende Bürokratie z. B. Abnahmekosten der BG Verkehr, so dass auch unsere Betriebe eine berechenbare Zukunft haben. Viel besser wäre allerdings ein rigoroser Bürokratieabbau, den wir ohne Zweifel als Problemlösung favorisieren würden.

Wer möchte sich einbringen ??

Einladung zur Jahreshauptversammlung

Eine gute Gelegenheit zur Diskussion bietet die Jahreshauptversammlung des Fischereischutzverbandes am 1.4.2017 in Neustadt/Holst. Hotel „Stadt Kiel“ um 11 Uhr, zu der wir Sie hiermit herzlich einladen möchten. Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine Zusage bis zum 25.3.2017. Ihrer geschätzten Antwort sehen wir mit großem Interesse entgegen. Gerne stehen wir für etwaige Fragen und Hintergrundinformationen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Albrecht, erster Vorsitzender

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