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Kommentare zur ARD TV-Dokumentation am 05. Februar um 20:15: "WALE VOR UNSERER KÜSTE"

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Quelle: Das Erste Mediathek

Dieser Film ist bis zum 07.03.2018 verfügbar.


Kommentar von Prof. Dr. Boris Culik, www.f3mt.net

Ich hatte mich sehr auf den Beitrag gefreut, da ich im Vorfeld Gelegenheit bekam, mich intensiv mit den vielfältigen Fragen des Redakteurs Herrn Vogt zu beschäftigen und ihm umfangreich Auskunft zu geben.

Umso enttäuschter war ich dann über die Berichterstattung zu unserem neuen Schweinswal-Warngerät PAL. Der Beitrag lässt weder die Mitarbeiter des Ostsee-Infocenters in Eckernförde, noch die Mitarbeiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei zu Worte kommen. Beides öffentlich geförderte Einrichtungen, wie der NDR bzw. die ARD.

Er geht auch nicht darauf ein, wie herkömmliche Pinger funktionieren, welche anderen beifangvermeidenden Maßnahmen es geben könnte und was im Gegensatz dazu das Neue am PAL ist. Und schließlich findet auch unsere 5-jährige, intensive, aus öffentlichen Mitteln finanzierte und dokumentierte, öffentlich zugängliche Forschung am PAL und der erbrachte Nachweis seiner beifangverringernden Wirkung keine Erwähnung.

Stattdessen findet sich im Beitrag folgender Satz: "So ein Sender ... soll die Zahl der beigefangenen Schweinswale um 70% verringern". Das ist falsch, denn richtig müsste es heißen: "verringert, wie langjährige, unabhängige Untersuchungen des Thünen-Instituts für Ostseefischerei ergaben, die Zahl der beigefangenen Schweinswale um 70%".

Weiterhin wird behauptet: "Der Erfolg der Technik muss wissenschaftlich dokumentiert werden, fordern Walschützer. Doch das ist bislang nicht geplant. Florian hofft mit den Fischern dass es funktioniert." Auch das entspricht nicht der Tatsache: Richtig müsste es heißen: "Der Erfolg der Technik wurde wissenschaftlich dokumentiert. Florian hofft mit den Fischern dass sich die Geräte im täglichen Einsatz bewähren."

Denn erstens wurde der Erfolg bereits, siehe oben, in der kommerziellen Fischerei über mehrere Jahre nachgewiesen, siehe www. f3mt.net, sonst wäre es nicht zu dem großangelegten Versuch in Schleswig-Holstein gekommen, und zweitens wird dieser Großversuch seitens des Ostsee-Infocenters dokumentiert, auch wenn das vom NABU bestritten wird.

Die Berichterstattung ist daher leider nicht nur unausgewogen und unzutreffend, sondern auch nicht zielführend: was genau fordern die Autoren, bzw. der NABU denn stattdessen? Welche Schritte sollen gemeinsam mit den Fischern unternommen werden, um den Beifang rasch zu vermeiden? Was hat in der Vergangenheit denn überhaupt funktioniert und nachweislich zum Erfolg geführt? Welche konkrete und durchführbaren Schritte schlagen Sie dem Publikum vor?

Die mühsamen und kleinen Schritte des Ostsee-Infocenters, des Thünen-Instituts, der Fischer, der Geldgeber Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und des Landes S.-H. und nicht zuletzt meine eigenen kleinzureden und zu zerreden, ist ja auch keine Lösung und bringt für keinen einzigen Wal eine messbare Verbesserung. Und ein "weiter so" kann ja doch wohl auch keiner wollen? Schade.


Kommentar von Wolfgang Albrecht, erster Vorsitzender des Fischereischutzverbandes Schleswig-Holstein,
fischereischutzverband@web.de

Der Kommentar von Prof Culik spricht für sich. Der Fischereischutzverband schließt sich seinen Ausführungen vollumfänglich an.

Auch ich sah mit großer Spannung und Erwartung der Sendung des Beitrages entgegen, wurden doch im Vorfeld die Fragen des Redakteurs telefonisch erörtert und soweit möglich auch beantwortet.

Leider war die Enttäuschung dann genauso groß. Viele technische Details sowie die Ergebnisse von Forschung und Erprobung am PAL wurden im Bericht einfach weggelassen. Hierdurch muss beim Zuschauer zwangsläufig ein Eindruck entstehen, der nicht den Tatsachen entspricht.

Wird der PAL von einigen Naturschutzaktivisten möglicherweise als Feindbild wahrgenommen, weil durch den Einsatz ein immens wichtiges Argument gegen die Stellnetzfischerei an Schlagkraft verliert?? Man kann durchaus zu dieser Meinung gelangen.

Die Fischerei ist jedenfalls froh, dass endlich ein Gerät zur Reduzierung von Schweinswalbeifängen zur Verfügung steht. Wir werden die Geräte einsetzen, Erfahrungen sammeln und natürlich so weit wie möglich an der Gewinnung von Daten mitarbeiten.

Unser aufrichtiger Dank gilt allen, die das Projekt vorangebracht und unterstützt haben.


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