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Erneute Dorschkrise in der Ostsee!

Erneute Dorschkrise in der Ostsee! Überraschend? Eher nicht! Resultat: kaum Fangmöglichkeiten für Dorsch in der Ostsee für das Jahr 2022. Eine Umfassende Lageanalyse tut not. Man sollte sich das ganze Bild machen, neben der Fischerei alle Prädatoren in die Lagebeurteilung einbeziehen, als Voraussetzung für einen ausgewogenen, tragfähigen Lösungsansatz.

Dorschfang

Alle wollen Fisch! Doch einige nehmen mehr, als die Natur reproduzieren kann!

Das war bisher nicht der Fall! Deshalb waren die bisherigen Maßnahmen, wie die aktuelle Bestandssituation erneut deutlich zeigt, nicht zielführend-und sind daher verbesserungswürdig. Leider war man bis heute nicht in der Lage, die Vorschläge aus der Wissenschaft und der Kleinfischerei, jährliche Laichschonzeiten für den Dorsch in der Ostsee als wichtigen Bestandteil des Bestandsschutzes aufzugreifen, diese fest zu etablieren - und auch durchzuhalten, um die Befischung der Laichkonzentrationen des Dorsches durch die halbindustrielle Schleppnetzfischerei auf Großkuttern mit hohen Beifangraten von untermaßigen Dorschen als Hauptgrund für den Bestandsrückgang, zu verhindern.

Anlässlich der fast gleichen Krisensituation im Jahr 2015, die zur Einführung einer Laichschonzeit für den Dorsch in der Ostsee geführt hatte, wurde auf Betreiben der Fischindustrie und den Lobbyisten der halbindustriellen Schlepnetzfischerei nach dem Auftreten eines einzigen starken Nachwuchsjahrganges 2016, schon 2019 als dieser Jahrgang für die Fischerei interessant wurde, diese Laichschonzeit gestrichen. Man fand sie als Notmaßnahme im Monat Mai wieder – als Grundlage für die Auszahlung von Subventionen. Da die Laichtätigkeit der Dorsche in der westlichen Ostsee dann schon lange beendet ist, mit wenig Erfolg für die Bestandserhaltung. Seit 2016 hat es beim Ostseedorsch keinen nennenswerten Nachwuchsjahrgang gegeben, was uns geradewegs in die jetzt herrschende Krisensituation geführt hat.

Weil man nicht in der Lage war den einzig vorhandenen Jahrgang 2016 so zu managen, dass eine vorzeitige Ausfischung verhindert wird, wird die gewerbliche Fischerei im nächsten Jahr praktisch zum Erliegen kommen. Schon jetzt werden im Handel Verbraucherpreise von € 30,90 für ein Kilo Dorschfilet aufgerufen. Man muss kein Prophet sein, um einen Zusammenbruch der Versorgung mit fangfrischem Dorsch des örtlichen Marktes vorherzusagen. Bei einem besseren vorausschauenden Management hätte dies verhindert werden können.

Die Hauptlast dieser Misere trägt die Kleinfischerei, die nicht in andere Fanggründe ausweichen kann - und der Verbraucher, der die horrenden Preise bezahlen darf. Insgesamt eine suboptimale Leistung der Staatsmacht, deren Maßnahmen zwar gut gemeint, arbeitsaufwendig aber eben nicht zielführend waren. Die Zeiten: „Höher, schneller, weiter“ sind vorbei. Kurzfristige Gewinnmaximierung durch Massenfänge in industriellem Maßstab kann die Natur nicht reproduzieren. Ein Paradigmenwechsel zum „Klasse nicht Masse“ Prinzip ist so schnell wie möglich zu vollziehen, damit die gewerbliche Fischerei eine gesicherte Zukunft ohne ständig wiederkehrende Krisensituationen hat.

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