Klopfer April 2018

„Nur fünf Dorsche- sonst gibt´s Bußgeld!“, so lesen wir in der Presse.

Die Landesregierung ändert das Fischereigesetz um Fangbeschränkungen für die Freizeitfischerei durchzusetzen um dem Dorschbestand in der Ostsee zu helfen.

Gut gedacht, schlecht gemacht! Bei näherer Betrachtung fast nur Aktionismus!

Unstrittig ist:

  • Durchführung von Maßnahmen zur Arterhaltung in der Hydrobiologie der Nord- und Ostsee
  • Information der Mitglieder hinsichtlich des waidgerechten Verhaltens beim Fischfang und der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen
  • Förderung des Nachwuchses durch Ausbildung (Vorbereitungslehrgänge zum Ablegen der Prüfung zum Fischwirt im Rahmen des Seiteneinstieges nach § 45 Berufsbildungsgesetz)

Für eine erfolgreiche Umsetzung des Zieles Bestandserholung ist zunächst eine Ursachenanalyse vorzunehmen, um danach gezielt gegensteuern zu können.

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Hierzu ist ein Blick in die Vergangenheit hilfreich. Die stark intensivierte Befischung der Laichansammlungen des Dorsches seit 1980 hat zu einem Rückgang des Dorschbestandes und der erzielbaren Fänge geführt, wie die anliegende Übersicht des ICES deutlich zeigt. Lagen die Anlandungen ohne Rückwürfe in den 70 er Jahren bei durchschnittlich 186.000 to. erhöhten sich diese durch die Befischung der Laichansammlungen des Dorsches im Pelagial durch Großkutter der halbindustriellen Schleppnetzfischerei hauptsächlich in den Gebieten 25-32 wesentlich. Hinzu kamen erhöhte Motorleistungen, elektronische Ausrüstung der zunehmende Einsatz von Twin Trawls und Rollergeschirren.

Hierdurch wurde der Fangaufwand trotz Flottenabbau erheblich gesteigert.

Von einem Höchststand der Anlandungen im Jahre 1984 von mehr als 400.000 Tonnen jährlich, sind die Fänge seither in der Tendenz kontinuierlich zurückgegangen, um sich in der 90 er Jahren auf einem niedrigen 100.000 der Wert einzupendeln. Seit 2007 liegen sie eher darunter.

Die Fänge im Gebiet 22 (westliche Ostsee) lassen sich im gleichen Maßstab kaum darstellen. Dies beweist aus unserer Sicht deutlich den überragenden Effekt der pelagischen Schleppnetzfischerei aller Ostseeanrainerstaaten auf die Laichansammlungen des Dorsches und die damit verbundene Dezimierung des Bestandes mit den bekannten negativen Folgen für die gesamte gewerbliche Fischerei. Insgesamt bleibt daher als Lösung, ob man es nun hören will oder nicht, nur die Verringerung des Fangdruckes vornehmlich in diesem Bereich, weil der Dorschbestand diese zu hohen Entnahmen, wie sich deutlich zeigt, nicht sicher reproduzieren kann.

Vor diesem Hintergrund sieht der FSV die angestrebte Reduzierung der Fänge aus der Freizeitfischerei in ihrer Wirkung, allen theoretischen Hochrechnungen zum Trotz, als unterhalb der Nachweisgrenze an, zumal kein umfassender Ansatz für alle Ostseeanrainerstaaten vorhanden ist. Nicht einmal belastbare Daten über die Fänge der Freizeitfischerei aus anderen Mitgliedsstaaten gibt es.


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Lediglich die wirtschaftlichen Nachteile, auch für die gewerbliche Fischerei mit passiven Fanggeräten, sind erheblich. Gerade vor diesem Hintergrund, aber auch im Hinblick auf den Tourismus in unserem Lande und den zu erwartenden eher marginalen Wirkungen für die Bestandserholung, erscheint die Maßnahme selbst bei freundlicher Betrachtung unter dem Strich als Nullnummer, von Kontrollproblemen einmal abgesehen.

Zielführend ist aus Sicht des FSV nur ein europäischer Ansatz mit gleichen Bedingungen für alle Ostseeanrainerstaaten, einschließlich der Verringerung des Fangaufwandes. Hierfür erwarten wir mehr Unterstützung der Landesregierung auf europäischer Ebene.

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